Humanistischer Campus 19.01.2022

Ein Online-Diskussionsforum des HVD Bayern
in Kooperation mit dem Institut für populärwissenschaftlichen Diskurs Kortizes.

Mittwoch, 19. Januar 2022, ab 19.30 Uhr
Teilnahme-Link: https://us06web.zoom.us/j/84520704889
(Vor 19.30 Uhr: Warteraum. Einlass pünktlich um 19.30 Uhr.)

Humanistischer Campus des HVD-Bayern zum Thema:
Säkularer Humanismus, praktischer Humanismus
Woher? Wohin? Wozu? Drei Impulse, eine Debatte

Impulsvorträge (jeweils ca. 10-15 Minuten):

Prof. Dr. Franz Josef Wetz, Beirat im HVD Bayern:
Humanismus und seine Wurzeln – alter und neuer Humanismus

Dr. Andreas Edmüller, Beirat im HVD-Bayern:
Aufklärung ist kein Selbstläufer – „HVD, übernehmen Sie!“

Dr. Nikil Mukerji, Vorsitzender des HVD-Bayern:
Säkular und humanistisch – Impulse für einen praktischen Humanismus in Bayern

Moderation: Lydia Patzak und Tanja Reitmeier (HVD-Bayern)
Anschließend: Diskussion.
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after: A Philosopher Lecturing on the Orrery, painting by Joseph Wright of Derby (1766)

Prof. Dr. Franz Josef Wetz, Beirat im HVD Bayern:
Humanismus und seine Wurzeln – alter und neuer Humanismus


Humanismus ist ein großes Wort, dessen Glanz sich einer alten Tradition verdankt. Die Leuchtkraft des neuen Humanismus zehrt gewissermaßen vom Licht des alten Humanismus. Allgemein verfolgt der Humanismus das Bildungsziel, die dumme Bestie Mensch durch gelehrte Bücher zu zähmen. Aber der neue Humanismus widerspricht dem alten nahezu in jeder Beziehung. Er verwirft den Glauben an ein substanzielles, religiöses oder sittliches Sinnzentrum. Darüber hinaus bestreitet der neue Humanismus, dass der Mensch ein aus der Natur herausgehobenes Geistwesen mit erhabener Würde sei, das griechisch-römische Bildung versittlichen und zu nicht eigeninteressierter Achtung und Fürsorge erziehen könne. Stattdessen befürwortet der neue Humanismus ein naturalistisches Menschenbild sowie eine hedonistische und eigeninteressierte Existenzform. Diese soll zugleich Fundament der Menschenrechte wie auch Grundlage einer Gesellschaft mit menschenfreundlichem Antlitz sein. Ein Humanismus, der dieses Namens wert sein möchte, muss eine Antwort auf die Frage finden, wie Humanität möglich ist.

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Prof. Dr. Franz Josef Wetz ist Philosoph, lehrt Philosophie und Ethik an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd und forscht u.a. über Konsequenzen der Erkenntnisse moderner Naturwissenschaften für das menschliche Selbst- und Weltverständnis. Neuere Buchveröffentlichungen: »Rebellion der Selbstachtung. Gegen Demütigung«, 2014; »Exzesse. Wer tanzt, tötet nicht«, 2016; »Tot ohne Gott. Eine neue Kultur des Abschieds«, 2018; »Keine Liebe ohne Lüge. Wie viel Ehrlichkeit verträgt eine Beziehung?« 2020 (alle im Alibri Verlag, Aschaffenburg). Franz Josef Wetz ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des HVD-Bayern. (Web: https://franzwetz.de/.)


Dr. Andreas Edmüller, Beirat im HVD-Bayern:
Aufklärung ist kein Selbstläufer – „HVD, übernehmen Sie!“


Ein etwas genauerer Blick auf die öffentlichen Debatten zum Thema Impfen zeigt, dass sich da gerade etwas zusammenbraut, das für die offene Gesellschaft recht gefährlich werden kann. Ich meine den Schulterschluss von Gruppen, Vereinigungen und Bewegungen, die bisher nie an einem Strang gezogen haben:

• Warum marschieren bei Querdenkerdemos auf einmal rechtsextreme Rassisten neben alternativ Angehauchten, Reichsbürger neben Religiösen,Esoteriker neben Verschwörungsspinnern, QAnon-Gläubige neben Linksextremen (zu Beginn) und Alternativheilern … ?

• Warum gibt es da offenbar keine Berührungsängste mehr?

Meine Antwort: Diese auf den ersten Blick völlig heterogenen Gruppierungen eint die strikte Ablehnung des wissenschaftlichen und säkular geprägten Welt- und Menschenbildes. Kurz: Sie haben ein gemeinsames Feindbild Aufklärung.

Meine Anregung: Ein wichtiger Baustein jeder Gegenstrategie sollte das Engagement von uns Bürgern für Aufklärung, Vernunft und eine liberale/offene Gesellschaft sein. Schließlich ist es unsere Gesellschaft – und deren
Gestaltung sollten wir nicht nur hochmotivierten Querfrontschwurblern und langweiligen Berufspolitikern überlassen. Noch dazu, wenn diese Politiker ebenfalls das eine oder andere Problem mit der Aufklärung haben.

Meine Diskussionsfrage: Was kann der HVD konkret tun, um die Werte der Aufklärung wirkungsvoll zu verteidigen und zu stärken?

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Dr. Andreas Edmüller hat in München und Oxford Philosophie, Logik/Wissenschaftsheorie und Linguistik studiert. Seit seiner Habilitation 1996 ist er Privatdozent für Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seine Forschungsschwerpunkte sind Moral-, Rechts- und Staatsphilosophie. Von 1991 bis 2019 war er zudem als selbstständiger Unternehmensberater tätig und hat mit Dr. Thomas Wilhelm das Projekt Philosophie ins Leben gerufen. 2015 veröffentlichte er im Tectum-Verlag ein religionsphilosophisches Buch unter dem Titel „Die Legende von der christlichen Moral: Warum das Christentum moralisch orientierungslos ist“. Im Dezember 2021 erschien sein neues Buch „Verschwörungsspinner oder seriöser Aufklärer? – Wie man Verschwörungstheorien professionell analysiert“ als Band 1 der Reihe „Dossier Verschwörungstheorie“ im Rediroma-Verlag. Der Inhalt dieses Buch ist die Grundlage seines Impulses beim Humanistischen Campus am 19.01.2022. Andreas Edmüller ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des HVD-Bayern.


Dr. Nikil Mukerji, Vorsitzender des HVD-Bayern:
Säkular und humanistisch – Impulse für einen praktischen Humanismus in Bayern


Jede Organisation braucht eine Mission. Das gilt auch für uns, den HVD Bayern. Wofür stehen wir? Was ist unser Leitbild? Und wie grenzen wir uns gegenüber anderen Organisationen ab? Ausgehend von einer kurzen Diskussion des Leitbilds der Vernunft wird Nikil Mukerji hierzu einige Impulse liefern.

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Nikil Mukerji ist Vorsitzender des HVD-Bayern. Er hat BWL, VWL, Philosophie, Logik und Wissenschaftstheorie in Aberdeen, Auckland und München studiert. Heute ist er Geschäftsführer des interdisziplinären Masterstudiengangs Philosophie Politik Wirtschaft (PPW) an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Philosophie und politische Theorie an der LMU München. Nebenberuflich ist er als Berater des Instituts für Argumentation (IfA) in München tätig. Darüber hinaus ist er Vorsitzender des Wissenschaftsrats der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) e.V.